SKS-Ausbildungstörn Mai 2018


SKS-Prüfung auf der Ostsee - alle Kandidaten haben bestanden

Am Tag der Arbeit 2018 startete der erste von zwei SKS-Praxistörns, die der SCCR in diesem Jahr anbietet. Die SCCR-Flottille bestand aus fünf Segelyachten, zwei mit den Bewerbern für die SKS-Praxisprüfung und drei Begleitschiffe – insgesamt 24 Seglerinnen und Segler.

Mit am Start waren:

  • SY „Momo“: Ausbildungsschiff mit Skipper Friedhelm Müller und seiner 5-köpfigen Crew
  • SY „Blacky“: Ausbildungsschiff mit Skipper Reinhard Vesper und 4 Crewmitgliedern
  • SY „Nice to Have“: Begleitschiff mit Skipper Peter Schwarz und 3 Mitseglern
  • SY „Jade“: Begleitschiff mit Skipperin Tina Meyer und 4 Crewmitgliedern
  • SY „Max“: Begleitschiff mit Skipperin Bozena Kwasny/Helmut Vester und 2 weiteren Mitseglern.
Insbesondere für viele der Kandidaten war es das erste Mal auf einem „Dickschiff“, und dementsprechend spannend war das Einräumen und Verstauen und die erste Nacht an Bord. Die Skipperbesprechung am Mittwochmorgen fällte aufgrund der zu erwartenden Wetterentwicklung der folgenden Tage die Entscheidung, dieses Jahr wieder „Rund Fyn“ zu gehen. Vorher blieb noch Zeit für ein Gruppenfoto, alle in freudiger Erwartung der kommenden Tage.

Dann ging es los auf den ersten „Schlag“. Geplant war, die neue Marina in Olpenitz anzulaufen. Ein strammer Wind aus Südost bis Ost erlaubte es uns, die komplette Strecke zu segeln – Raumschots oder vor dem Wind. Und dabei gab es direkt die erste Feuertaufe für die Bewerber: die unangenehme und stärker werdende Welle von achtern – quasi ein Katalysator für Seekrankheit.

Olpenitz erwies sich als herbe Enttäuschung: kaum Stege und kein Hafenmeister. Strom, Toilette und Dusche nur mit Codekarte – aber kein Kartenautomat. Der Anruf beim Hafenmeister ergab dann ein lapidares „habe schon Feierabend und keine Lust mehr noch mal herzukommen und 5 Yachten anzunehmen“. Naja – wer nicht will der hat schon. Ausweichhafen war dann Maasholm – mit deutlich freundlicherem und besseren Service!

Über die Nacht drehte der Wind auf West; der Donnerstag brachte die Flottille dann durch den kleinen Belt nach Assens, einem ansprechenden Hafen an der Westküste von Fyn. In der bei mehreren Schiffen auf einem Kurs zwangsläufig stattfindenden Regatta hatten die großen Schiffe bei 4-5 Bft zunächst einen Vorteil, der sich aber zum Nachmittag hin bei abnehmendem Wind relativierte, so dass die kleinere „Jade“ das Rennen klar für sich entscheiden konnte, gefolgt von der „Nice to Have“.

Bei wenig und von West nach Ost rückdrehendem Wind ging es am Freitag nach Bogense, wo die Flottille am Ostkai des Fischereihafens festmachen konnte. Es folgte ein Grillabend in der Abendsonne und ein traumhafter und höchst romantischer Sonnenuntergang.

Wenig Wind am Samstag zwingt den Großteil der Flottille, den „Jockel“ anzuwerfen. Lediglich die kleineren Begleitschiffe mit Gennaker können einige Stücke segeln. Wir runden weiter die Insel Fyn und gelangen nach Kerteminde, wo wir im Strom neben dem Yachthafen längsseits anlegen. Ein perfekter Ort für das Bergfest des Törns.

Der Sonntag steht dann ganz im Zeichen der Prüfungsvorbereitung. Für die Ausbildungscrews heißt es „Manöver – Manöver – Manöver“. Danach erfolgt die Vorbereitung der Nachtfahrt durch den Großen Belt – eine Tradition in den SCCR Praxistörns. Endlich können die Bewerber das erworbene Wissen aus dem Theorieunterricht praktisch anwenden: Leuchtfeuer, Kennungen, Wiederkehr, Beleuchtung der Fahrzeuge usw.

Um 23 Uhr legen wir ab. Es kommt tatsächlich ein wenig Wind auf, so dass es möglich ist, ein wenig zu segeln – ein fast unwirkliches Gefühl: fast lautlos über das glatte Wasser gleiten, über uns ein grandioser Sternenhimmel, den nicht eine einzige Wolke verdeckt. Gegen 4 Uhr morgens beginnt dann die Dämmerung, gefolgt von einem atemberaubenden Sonnenaufgang hinter der Brücke über den Großen Belt. Müde und durchgefroren aber dennoch erfüllt machen wir in Spodsbjerg an der Ostküste von Langeland fest.

Nach ein paar Stunden Schlaf folgt wieder Ausbildung: Hafenmanöver (An- und Ablegen) und Segeltechnik stehen auf dem Stundenplan. Um den Bewerbern (aber auch den anderen Teilnehmern) zu veranschaulichen, wie schwer es ist, eine über Bord gegangene Person wieder sicher zurück an Deck zu bekommen, folgt am Abend eine Bergeübung: der Segelschulleiter springt (durch Neopren vor der eiskalten Ostsee geschützt) über Bord und die Crew der „Blacky“ muss ihn mit Hilfe eines Bergesegels retten:

Ein hartes Stück Arbeit – bei Windstille und festliegendem Schiff. Eindrucksvoll wird so demonstriert, dass die Vorsicht früher ansetzen muss: es darf keiner über Bord gehen! Man sieht aber auch: das Bergesegel funktioniert!

Am nächsten Morgen trennt sich die Flottille: die Ausbildungsschiffe gehen direkt nach Heiligenhafen, um den Tag vor der Prüfung noch für das Manövertraining zu nutzen. Das Flaggschiff macht noch Zwischenstation in Marstal und Burgtiefe ehe es am Donnerstag gegen 12 Uhr in Heiligenhafen einläuft. Die anderen Begleitschiffe genießen noch ein wenig die Dänische Südsee und laufen über Lohals – Svendborg – Aeroskoebing und Bagenkop nach Heiligenhafen zurück.

Donnerstag um 13 Uhr wird es dann ernst für die Bewerber: der Prüfer kommt an Bord. Jetzt gilt es, das Gelernte abzurufen und zu zeigen, dass man Schiff und Crew „im Griff“ hat. Die Bedingungen sind fast perfekt: Sonne und ein konstanter Wind aus Ost. Es ziehen zwar einige dunkle Wolken auf, aber wir schaffen es alle Prüfungsmanöver rechtzeitig zu beenden und noch vor dem Gewitter wieder am Steg zu liegen.

Das Ergebnis: 100%. Alle zur Prüfung angetretenen Bewerber haben die Hürde genommen und halten nun den Schein in Händen. Ein toller Erfolg – nicht nur für die Prüflinge, sondern auch für die Ausbilder des SCCR. Die Prüfer heben explizit die gute Ausbildung hervor, was uns als Verein (und mich als Schulleiter und „Admiral“) besonders stolz macht.

Es bleibt der Dank an die Ausbilder für ihre Ruhe und Geduld, die Begleitschiffe für die Unterstützung, den Rahmen und die gute Stimmung und den frischgebackenen SKS-Inhabern für das in uns gesetzte Vertrauen. Und es bleibt der Wunsch für alle Teilnehmer (insbesondere diejenigen, die mit dem SKS jetzt ihre „Lizenz zum Üben“ in Händen halten): allzeit gute Fahrt und immer die Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Aber: nach dem Törn ist vor dem Törn. Es steht noch ein zweiter Ausbildungstörn an, diesmal in den Sommerferien Ende Juli. Erneut begeben sich vier Kandidaten in die Hände des SCCR. Leider fehlen uns noch Begleitschiffe….

Peter Schwarz
Fahrtenwart und Leiter der Segelschule